¡Viva España!

Die meisten unserer Bekannten haben es sowieso schon erfahren, aber trotzdem schreibe ich noch zusammenfassend die Begebenheiten des letzten halben Jahres in Deutschland.

Wie im vorigen Artikel deutlich wurde, nehmen wir von der konventionellen Beschulung Abstand. Dadurch, dass in Deutschland ein Schulzwang herrscht, waren wir „auf dem Weg nach Deutschland“ schon unsicher, wie wir das auf Dauer mit einem Kind bewerkstelligen könnten. Damals liebäugelten wir bereits mit Spanien als einem möglichen Wohnort in einer fernen Zukunft.

Im März stellte sich dann ein ersehnter Wandel in unserem Leben ein – Guru Sant war (und ist) schwanger! Somit beschleunigten sich dann manche Prozesse. Sie war im Internet auf eine alternative Schule in Spanien in der Provinz Alicante gestoßen. Passend veranstalteten die einen Tag der offenen Tür im April und wir fackelten nicht lange und buchten eine Kurzreise dorthin. Für die nächste offene Tür im September wäre Guru Sant vielleicht nicht mehr reisefähig oder -willlig.

Unser Eindruck von der Schule war gut, was uns jedoch von Anfang bis Ende der fünftägigen Reise begeisterte, waren alle anderen Aspekte an Spanien und der Region Alicante. Vieles trafen wir so an, wie wir es uns von Ecuador gewünscht hatten. Nach Spanien waren wir ausschließlich anlässlich der Schule geflogen und dachten zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht an Umsiedeln. Sicher war das ein wesentlicher Faktor unserer positiven Wahrnehmung der Umgebung und Bedingungen – wir hatten keinerlei Erwartungen. Aber alles funktionierte gut, die Leute waren sehr herzlich, ich verstand sie zudem gut, sie machten Ansagen, die sie auch einhielten und Zeitpläne hatten einen direkten Bezug zur Realität. Es gab viele alternative Bewegungen und direkten Austausch der organisierenden Gruppen untereinander.

Wenn auch das Gefühl, schon wieder umzuziehen und auch Bielefeld und das Elternhaus zu verlassen komisch war, so spürten wir uns doch deutlich von allen anderen Facetten angezogen, mit der Gewissheit, dass sich unsere Vorhaben und Wünsche dort gut in die Tat umsetzen lassen würden.

Um nicht erst passend zur Geburt in der neuen Heimat anzukommen, planten wir die Übersiedlung für August. So würden wir uns einleben und das Haus uns und dem Baby entsprechend herrichten können. Welches Haus? Nun, wir fanden mit der exzellenten Hilfe eines „Abgeordneten für Migranten“ der Schule per Fotos und Beschreibung ein Haus zur Miete, das genau unseren Wünschen und finanziellen Möglichkeiten entsprach. Das klappte hervorragend und bestätigte uns in unserem Entschluss.

Jetzt, da wir uns in dem Haus befinden, kann ich noch hinzufügen, dass es unsere Vorstellungen bei weitem übertroffen hat. Sowohl, was die Einrichtung, die Sauberkeit und den Zustand anbelangt, als auch im Hinblick auf die Lage, die Aussicht und das mehr als großzügige Grundstück voll der tollsten Leckereien für uns Obstesser (Fotos kommen noch). Darüber hinaus sind die Vermieter äußerst freundlich und hilfsbereit.

In Bielefeld nutzten wir die Zeit noch dazu, unsere Sachen (mal wieder) zu sortieren und ein Auto zu kaufen. Nun sind wir stolze Besitzer eines Skoda Octavia Kombi! Damit fuhren wir „zur Probe“ auch gleich noch ins Häuschen (das Ferienhaus unserer Familie in Oberbayern), nicht allein, sondern mit Zita, Daniel und Aaron. Ein großartiger Urlaub, der unseren Freunden diese Region eröffnet hat.

Mit unserem gefühlt riesigen Auto konnten wir beinahe alle unsere Sachen einpacken und uns Ende Juli auf den Weg machen. Anstatt die lange Reise in zwei Tagen durchzuprügeln, nutzten wir die Gelegenheit und besuchten liebe Freunde in Paris, Toulouse und Vitoria (Baskenland Spanien). Am 1. August bezogen wir dann, begleitet von herrlichstem Wetter (August ist der heißeste Monat in Alicante), unser Haus in der Nähe von Ondara in der Comunidad Valencia.

Die ersten Tage sind gut angelaufen, wir knüpfen Kontakte und lernen die Abläufe hier, finden unsere Einkaufs- und Arbeitsmöglichkeiten. Wir sind sehr glücklich und freuen uns auf das Kind und alles andere, was das Leben für uns bereithält!

P.S.: Ob wir noch viel zum Schreiben auf dem Blog hier kommen, ist ungewiss. Bis zur Geburt könnte es nochmal klappen ;-)

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